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Die biographische Dokumentation „Joe Strummer: The Future Is Unwritten“ ist für den gefeierten britischen Regisseur und Rockvideo-Pionier Julien Temple in gewisser Weise eine Premiere, da er aussagt niemals zuvor einen Film über jemanden gemacht zu haben, den er wirklich gut kenne.

Die dreißig Jahre währende Verbindung zwischen Temple und Strummer macht sich im Verlauf des Films fortwährend bemerkbar. Damit, dass Temple als Co-Produzent des Soundtracks „Joe Strummer: The Future Is Unwritten“ auftritt (mit Ian Neil und Alan Moloney) geht diese Beziehung nun sogar einen Schritt weiter. Der Soundtrack erscheint bei Legacy Recordings, einem Geschäftszweig von Sony BMG Music Entertainment und ist ab dem 15. Mai im Handel erhältlich.

Der Soundtrack enthält drei bislang unveröffentlichte Songs von The Clash – zwei Demoaufnahmen, eine davon als Liveaufnahme aus dem Jahr 1984 sowie eine neue und bisher unveröffentlichte Version des Reggae-Klassikers “Natty Rebel” vom Dubmaster U-Roy.

Dazu kommen Aufnahmen von Strummers Bands Latino Rockabilly War und The Mescaleros, neben einflussreichen Songs von Woody Guthrie, Bob Dylan, Elvis Presley, Eddie Cochran, Nina Simone, Tim Hardin, MC5, Ernest Ranglin und anderen.

Selbst wenn Joe Strummer nur für seine Rolle als Frontmann und Songschreiber von The Clash bekannt wäre (1976-1985), hätte er seinen festen Platz in der Rockgeschichte sicher.

Aber wie Bob Marley und manch anderer war er das lautstarke linksorientierte Gewissen einer ganzen Generation, und indem seine Musik fortwährend wiederentdeckt wird, weitet sich sein Einfluss immer mehr aus.

Die Strummer-Fans wuchsen in der Punk-Ära oder durch diese beeinflusst auf und fanden durch den Durchbruch des Lokalradios sowie durch MTV und deren Erweiterung des Musikprogramms um „London Calling“, „This Is Radio Clash“, „Train In Vain“ und „Should I Stay Or Should I Go“, allesamt aus der Feder von Joe Strummer, ein Ventil gegen das harte Durchgreifen gegen Punks auf beiden Seiten des großen Teichs.

In der Zeit nach The Clash hielten Joe beim England Glastonbury Festival Hunderttausende die Treue, während er zusätzlich mehrere zehn Millionen durch seine auf BBC World Service seit 1998 und bis zu seinem Tod im Jahr 2002 weltweit ausgestrahlte Radiosendung „London Calling“ begeisterte.

Die Veröffentlichung des Soundtracks und der Filmstart überschneiden sich zeitlich mit dem in diesem Frühling stattfindenden 30-jährigen Jubiläum der UK-Veröffentlichung von „White Riot“, der Debüt-Single von The Clash aus dem Jahr 1977.

Der Welt wurde Joe Strummer bekannt durch seine fast zehnjährige Karriere bei The Clash.

Aber wie Temples „The Future Is Unwritten“ mehr als deutlich werden lässt, spielen Joes Leben und die Zeiten vor und nach The Clash eine ebenso große Rolle.

Das 25 Titel umfassende Soundtrack-Album spiegelt die musikalischen Einflüsse des John Graham Mellor, bekannt als Joe Strummer, wieder. Dabei enthält es mit 20 ausgewählten Musikstücken lediglich einen Bruchteil der mehr als 65 Songs, die in Ausschnitten oder in voller Länge im Film zu hören sind.

Keine Strummer-CD wäre vollkommen ohne The Clash, daher stammen zusätzlich zur 79er „Armagideon Time“-Single drei der vier bislang unveröffentlichten Aufnahmen von der Band selbst: zwei Demos (“White Riot” und “I’m So Bored With The U.S.A.”), die Temple 1977 während seiner Arbeit an einem Film über The Clash, der unvollendet blieb, in den Beaconsfield Film Studios in England produziert hat und eine Liveversion von „(In The) Pouring Rain“, einer Strummer Eigenkomposition, die auf keinem Clash-Album erschienen ist und 1984 im Paramount Theater in Seattle aufgenommen wurde. Letzterer ist einer der beiden Songs, die von Joes Witwe Lucinda Mellor zu dieser Sammlung beigesteuert wurden.

„Joe Strummer: The Future Is Unwritten“ thematisiert allerdings auch die drei anderen großen Bands in Strummers Leben, beginnend mit „Key To Your Heart“, der ersten Single der 101ers (benannt nach der Adresse des Kellerunterschlupfs in dem Joe 1974 hauste).

Mehr als zwölf Jahre nach dem Ende von The Clash im Jahr 1985 wurde er Teil der Band The Mescaleros. Der Soundtrack enthält eine Auswahl der ersten beiden Alben, erschienen beim Label Hellcat/Epitaph. Rock Art and the X-Ray Style (“Willesden To Cricklewood”) aus dem Jahr 1999 und Global A Go-Go (“Johnny Appleseed”) von 2001.

1988 siedelte Strummer nach Los Angeles um, wo er eine Band namens Latino Rockabilly War gründete. Vier ihrer Songs, darunter der Titel „Trash City“, bilden die Eröffnung des bei Epic erschienenen Soundtracks für den Film „Permanent Record“. Joe komponierte und produzierte auch die instrumentale Filmmusik und die Titelmelodie dieses Films, in dessen Hauptrolle der 22jährige Keanu Reeves bei seinem sechsten Leinwandauftritt zu sehen ist. Bereits im Vorjahr steuerte Strummer „Omotepe“ zum Soundtrack des Films „Walker“ bei.

Vor der Kamera äußern dutzende prominente Zeitgenossen in „Joe Strummer: The Future Is Unwritten“ ihre Gedanken. Darunter Mick Jones, Steve Jones, Keith Levene, Bono, Terry Chimes, Topper Headon, Pearl Harbour, Don Letts, Joe Ely, Flea, Matt Dillon, Kate Simon, Martin Scorsese, Steve Buscemi, Grandmaster Melle Mel, Bill Flanagan, Courtney Love, Anthony Kiedis, Jim Jarmusch, Bob Gruen, Lucinda Mellor und viele mehr.

Der Abschnitt „I called him Woody“ ist ein Interview mit dem Clash-Schlagzeuger Topper Headon, in dem auf Joes Spitznamen aus Kindheitstagen und seine besondere Liebe für das Leben und die Ansichten des linksorientierten Folk-Helden Woody Guthrie angespielt wird.

Auf dem Soundtrack folgt unmittelbar auf diese Passage Woodys „Ranger's Command“ aus dem Jahr 1944 (Folkways) und im Anschluss daran mit „Corinna, Corinna“ vom 1963 erschienenen Album The Freewheelin’ von Bob Dylan die Musik eines anderen Guthrie-Schülers.

Guthrie und Dylan zählen zu dem guten Dutzend Künstler, die Strummer beeinflusst haben oder durch ihn beeinflusst wurden.

Die Songs bieten einen musikalischen Querschnitt, von Rockybilly-Rockern der ersten Stunde wie Elvis Presley („Crawfish“) und Eddie Cochran („Nervous Breakdown“), über die Greenwich Village-Ikone Tim Hardin hin zu MC5 („Kick Out The Jams“ Live), der Detroiter Agitprop-Band schlechthin.

Ein multikulturelles Aufgebot an Musikern umfasst zusätzlich den algerischen Worldbeat-Sänger und Komponisten DJ Rachid Taha (eine Neuaufnahme von „Rock The Casbah“ aus dem Jahr 2004, produziert von Steve Hillage/Gong), den lateinamerikanischen Komponisten Andres Landero („Martha Cecilia“), den jamaikanischen Ska-Gitarristen Ernest Ranglin (mit einer Coverversion von „Minuit“, einem Titel des senegalesischen Sängers Baaba Maal), Nina Simone aus Baltimore (mit dem BeeGees-Song „To love Somebody“) sowie den legendären jamaikanische Reggae-/Dubkönig und DJ U-Roy, dessen nagelneue Aufnahme seines Klassikers „Natty Rebel“ die vierte Neuveröffentlichung des Albums darstellt.

JOE STRUMMER: THE FUTURE IS UNWRITTEN

(Legacy 88697 05162 2)

 

Filmstill

Der Soundtrack erscheint am 15. Mai bei Sony BMG:

1. Joe Strummer: “Punk Rock Warlord” MTV interview - Womad Festival, 1995

2. The Clash: White Riot alternate demo mix (prod: J.Temple), 1977

3. Rachid Taha: Rock The Casbah. From Tekitoi, 2004

4. Joe Strummer “London Calling” BBC World Service Recordings -

5. Elvis Presley: Crawfish. From King Creole o.s., 1958

6. Tim Hardin: Black Sheep Boy. From Tim Hardin 2, 1967

7. MC5: Kick Out The Jams (live). From Kick Out The Jams, 1967

8. The 101ers: Keys To Your Heart. From The Chiswick Story, 1976

9. Joe Strummer: “Mick and Paul were different”, MTV News Interview, 2002

10. The Clash: I’m So Bored With The U.S.A., demo (prod. by J. Temple), 1977

11. U-Roy: Natty Rebel, new version, 2006

12. The Clash: Armagideon Time, UK single (Black Market Clash), 1979

13. Eddie Cochrane: Nervous Breakdown. From Never To Be Forgotten, 1958

14. The Clash: (In The) Pouring Rain (live), Paramount Theater, Seattle, WA 1984

15. Joe Strummer: Omotepe Walker o.s., 1987

16. Andres Landeros: Martha Cecilia

17. Ernest Ranglin: Minuit. From In Search of the Lost Riddim, 1998

18. Latino Rockabilly War: Trash City. From Permanent Record o.s., 1988

19. Topper Headon: “I called him Woody”

20. Woody Guthrie: Ranger’s Command. From Buffalo Skinners: The Asch Recordings, Volume 4, 1944

21. Bob Dylan Corrina: Corrina. From The Freewheelin’ Bob Dylan, 1963

22. Joe Strummer & The Mescaleros: Johnny Appleseed. From Global A Go-Go, 2001

23. Nina Simone: To Love Somebody. From To Love Somebody, 1967

24. Joe Strummer: “Without people, you’re nothing”, MTV News Interview, 2002

25. Joe Strummer & The Mescaleros: Willesden To Cricklewood. From Rock Art and the X-Ray Style, 1999